Verwahrlosung auf allen Ebenen

Tagung am 6./7. März 2015 im Zentrum Karl der Grosse, Zürich
Veranstaltet vom Psychoanalytischen Seminar Zürich (PSZ) und dem Verein für psychoanalytische Sozialarbeit Zürich (vpsz)

29. Januar 2015

Verwahrlosung ist keine nüchterne Feststellung mangelnder Ordnung, sie ist zugleich mächtiger Vorwurf an Einzelne und Gruppen, die herrschende Ordnung nicht zu respektieren. Und damit auch scheinbare Legitimation für Stigmatisierung, Einschliessung und Ausschluss. Zudem greift sie um sich. Waren es früher vor allem die Kinder der Landstrasse, die aus ihren Familien und ihrer Umwelt gerissen und interniert wurden, so sind es heute Screenkids, Migranten, Messis, ADHS-Patienten, Sozialhilfe-Bezüger und viele andere mehr, denen Fahrigkeit im weitesten Sinne vorgeworfen wird. Als „Zeitdiagnose“ findet der Begriff aber auch immer häufiger Anwendung auf gesellschaftliche Entwicklungen, den entfesselten Kapitalismus etwa, den Verlust des sozialen Kitts ganz allgemein. Analytiker, Therapeuten, Sozialarbeiter, Pädagogen, aber auch Behörden sind in einem Dilemma: Ist Verwahrlosung eine Not der Einzelnen oder eine der Gesellschaft? Ist die „mangelnde Ordnung“ an den Rändern und deren Porosität eine Bedrohung oder eine Chance? Die Pathologisierung dieses Phänomens, die sich nicht nur auf soziales Verhalten bezieht, sondern sich vor allem in die Diagnose struktureller Störungen hinein fortsetzt, läuft Gefahr, dieses Dilemma zu individualisieren und zu übersehen, dass es nicht um einen Mangel an Ordnung, vielmehr um andere Ordnungen gehen könnte. Diesen Fragen soll an der Tagung durch Referate, in Arbeitsgruppen und durch Beiträge aus Kunst, Literatur und Film nachgegangen werden.
PSZ

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