Andreas Wepfer
Schwere Beats und schwere Jungs:
Triple-R in der stationären Psychotherapie schwerer Adoleszenzstörungen

Vortrag am Psychoanalytischen Seminar Zürich, Freitag, 3. Juni 2016, 20.30

3. Juni 2016

Gewisse Jugendliche sind schwer in stationäre Behandlungsprogramme einzubinden. Sie haben eine eindrückliche Versiertheit im Verweigern von Hilfsangeboten erlangt. Die Aussicht auf Arbeit vermag sie kaum zu aktivieren, die Schule ist bereits erfolgreich vergeigt, die Angebote mehrerer Institutionen wurden nacheinander zielsicher an die Wand gefahren. Da sitzen sie nun, Earphones montiert, verweigern sich dem Gespräch und lauschen derweil nachlässig den Klängen ihrer grossen Vorbilder.

Triple-R wurde für die stationäre Psychotherapie genau solcher männlicher Jugendlicher entwickelt. Es vertraut auf das Indentifikationspotential des „Sounds“ einer jeden jugendlichen Subkultur. Triple-R setzt neben vom Patienten kreierten Beats (Rhythm) und assoziativ entstehenden, iterativ überarbeiteten Texten (Rhyme) auch die Aufnahme (Recording) mit einer digitalen Workstation als therapeutisches Mittel ein. Der Jugendliche hat dabei die Rolle des Künstlers (z.B. Rappers, jedenfalls Stars) inne, während der Therapeut als Produzent fungiert und auf diesem Wege Zugang zu den Konflikten seines „Künstlers“ erlangt.

Andreas Wepfer hat sich im Rahmen seiner Dissertation „Schweigen in der Psychotherapie – Zum Umgang der Psychoanalyse mit dem Widerspenstigen“ zunächst mit den stilleren Momenten einer Behandlung auseinandergesetzt. Als ausgebildeter Soundengineer und Produzent versuchte er hernach mit Triple-R, die klingende Welt für das therapeutische Geschehen nutzbar zu machen und damit gerade jenen Jugendlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu verschaffen, die aufgrund ihrer schweren psychischen Störung an so manchen Anforderungen auch scheinbar niederschwelliger Behandlungsansätze scheitern. Wepfer leitet in Winterthur den Bereich Therapie der Modellstation SOMOSA.

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